Vernetzungskonferenz „Bembel und Baklava – Zugehörigkeiten in der postmigrantischen Gesellschaft“

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Bild mit Bembel und Baklava

Woher kommst Du? Diese Frage ist schnell gestellt. Meist genügt ein ungewöhnlicher Name, ein Akzent oder einfach ein Aussehen, das von dem abweicht, was man sich gemeinhin unter deutschem Aussehen vorstellt. Die Frage klingt harmlos und ist nicht unbedingt Ausdruck bewusster Diskriminierung. Doch es gibt Menschen, die auf diese Frage ständig antworten müssen, obwohl sie in Deutschland geboren sind, einen deutschen Pass besitzen und es daher eigentlich keinen Anlass für diese Frage gibt. Dabei ist klar, es wird nicht nach dem Geburtsort gefragt, sondern nach der Herkunft. Und die Frage nach der Herkunft löst bei den Befragten das Gefühl aus, nicht richtig dazuzugehören und dient oft in Wahrheit dazu, zwischen „wir hier“ und „ihr von woanders“ zu unterscheiden.

Was für Auswirkungen hat diese Frage auf das Selbstbild von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte? Was setzt das Gefühl von Zugehörigkeit voraus? Wie können Staat und Gesellschaft mit entstehenden Spannungen umgehen und die Zugehörigkeit aller Menschen stärken?

Die Vernetzungskonferenz „Bembel und Baklava – Zugehörigkeiten in der postmigrantischen Gesellschaft“, die am 7. November 2019 vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration unter Mitwirkung der Integrationsvertragspartner Bildungsstätte Anne Frank, Hessischer Jugendring, Verband binationaler Familien und Partnerschaften und dem Deutschen Roten Kreuz, Landesverband Hessen organisiert wurde, ging diesen Fragen intensiv nach.

Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration, begrüßte die Teilnehmenden und stellte in seiner Rede die Wichtigkeit der Themen Identität und Zugehörigkeit für die Hessische Integrationspolitik dar.

Den wissenschaftlichen Input für die Diskussion lieferte Frau Prof. Dr. Naika Foroutan, Migrationsforscherin und Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung. Ihr Vortrag fand große Aufmerksamkeit und ihm folgte ein reger Austausch mit den Teilnehmenden. Foroutan legte in ihrem Vortrag anschaulich dar, dass Pluralität und Diversität zwar grundlegende Pfeiler unseres Grundgesetzes sind, aber dieses Versprechen auf Akzeptanz und Gleichheit im Lebensalltag vielfach nicht eingehalten wird. Sie untermauerte diese These mit aussagekräftigen Studien zu Benachteiligungen und Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund in verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens. Hieraus formulierte sie u.a. die Notwendigkeit die kulturelle und identifikative Anerkennung auszubauen und eine Veränderung des gesellschaftlichen Selbstbildes anzustoßen.

Bei der sich anschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation der Journalistin Anne Chebu mit dem Titel „Hesse ist, wer Hesse sein will“, oder?! diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der vier  Integrationsvertragspartner, Saba-Nur Cheema (Leiterin Bildung der Bildungsstätte Anne Frank), Nils Möller (Geschäftsführer des DRK Landesverbandes e.V.), Eltje Reiners (stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Jugendrings), Alexandros Stathopoulos (Geschäftsführung Region Frankfurt, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.) und der Abteilungsleiter der Abteilung Integration im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, Stefan Sydow, weiter zum Thema. Sie nahmen in den Blick, wie sich Zugehörigkeiten und Identitäten in der Einwanderungsgesellschaft entwickeln und was notwendig ist, damit sich ein zeitgemäßes gesellschaftliches Selbstbild in Hessen etabliert, das einer vielfältigen Bevölkerung gerecht wird.

Am Nachmittag fanden Diskussionsforen der Integrationsvertragspartner zu Themen der Integrationsverträge und der Thesen des Vormittags statt. Die Diskussionen wurden sehr angeregt und intensiv geführt und fanden ihren Abschluss mit einem Get Together bei Bembel und Baklava.

Die Dokumentation der Vernetzungskonferenz „Bembel und Baklava – Zugehörigkeiten in der postmigrantischen Gesellschaft“ finden Sie im Downloadbereich.