Ausstellung Hanau
„Unsere türkische Community – die erste Generation“: Eine Ausstellung aus Hanau lädt zum Austausch, zur Begegnung und zum Dialog ein
Ein Interview mit Melina Schmidt und Mustafa Kaynak, WIR-Koordinierende im Amt für Sozialen Zusammenhalt und Sport der Stadt Hanau (Abteilung Demokratie und Vielfalt)
Bitte beschreiben Sie die Entstehungsgeschichte der Ausstellung – wie begann alles, wie kam es zur Idee?
Die Idee für das Projekt entstand, als wir auf eine Broschüre des Ausländerbeirats Offenbach aufmerksam wurden, der bereits ein ähnliches Vorhaben für mehrere Nationen zusammen durchgeführt hatte. Die Lebensgeschichten der porträtierten Personen, die in einer zunächst fremden Umgebung Fuß fassen mussten und diese nach und nach zu ihrer Heimat machten, haben uns sehr beeindruckt.
Aus dieser Inspiration heraus führten wir erste Gespräche mit dem Amtsleiter des Amts für Sozialen Zusammenhalt und Sport, Andreas Jäger, sowie mit der Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck. In diesem Austausch nahm die Idee schließlich konkrete Formen an. Schnell wurde zudem klar, dass wir unserem Projekt, entgegen der rein schriftlichen Umsetzung in Offenbach, durch Fotos der befragten Menschen mehr Nähe und Tiefe verleihen wollten.
Von der Idee zur Umsetzung: Wie ging es dann weiter?
Nachdem die Grundidee feststand, übernahm Frau Funck die Schirmherrschaft für das Projekt. Die Stadt Hanau wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in der Nachkriegszeit maßgeblich durch sogenannte Gastarbeiter wieder mit aufgebaut – ein historisches Bewusstsein, das die Stadtpolitik bis heute prägt. Schon 2022 beleuchteten die Städtischen Museen Hanau im Museum Großauheim mit der Ausstellung „¿Angeworben – Angekommen?“ die Geschichte der italienischen und spanischen Arbeitsmigration und luden Besucherinnen und Besucher ein, eigene Erinnerungen beizutragen.
Vor diesem Hintergrund konzentrierten wir uns nun auf die türkische Community in Hanau, eine der größten der Stadt, deren Lebenswege die Entwicklung Hanaus nachhaltig prägten. Perspektivisch soll die Ausstellung um weitere Gruppen erweitert werden, um die Vielfalt der Stadtgesellschaft noch breiter sichtbar zu machen.
„Das Landesprogramm WIR – Vielfalt und Teilhabe unterstützt die Kommunen dabei, interkulturelle Öffnung voranzubringen und nachhaltige Willkommens- und Anerkennungskultur zu etablieren. Diese Ausstellung steht beispielhaft für genau das, was wir mit diesem Programm fördern möchten. Sie macht deutlich, dass Integration keine Einbahnstraße ist, sondern vom gegenseitigen Lernen, vom Dialog und vom Erzählen von Geschichten lebt, die sonst oft ungehört bleiben. Gerade solche Projekte schaffen Räume für Begegnung und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Die geplanten Interviews führten wir mit einem eigens entwickelten Interviewleitfaden, der aus mehreren offenen Fragen bestand. Die Herausforderung war hierbei, eine gute Balance zwischen Gesprächsführung und Offenheit zu finden, damit die Interviewten ihre Erfahrungen möglichst ungefiltert und lebensnah nacherzählen konnten.
Parallel zu den Interviews, in denen wir viele spannende Lebensgeschichten hören durften, wurden die professionellen Porträts mit den Beteiligten an Orten angefertigt, die für sie eine besondere Bedeutung in ihren Leben einnehmen oder eingenommen haben. In der Kombination entstanden so authentische Gesamtkunstwerke, die einen kleinen Einblick in die bewegenden Lebensgeschichten der Interviewten ermöglichten.
Was möchten Sie anderen Engagierten aus dem Projekt mit auf den Weg geben?
Eine Erfahrung, die wir unbedingt weitergeben möchten, ist die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Interviewten und ihrer Familien. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung war die Wärme im Raum spürbar. Das Projekt hat einmal mehr gezeigt, wie bereichernd Vielfalt ist und wie wichtig es ist, Brücken zwischen Kulturen zu bauen. Integration bedeutet dabei immer eine Bereicherung und niemals einen Verlust.
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